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Der offizielle Blog von BNP Paribas Asset Management

Wöchentliches Investment Update – Konsolidierung der Märkte im Vorfeld der Neuigkeiten von der geldpolitischen Front

Nach der starken Erholung der internationalen Aktien im letzten Monat und während der ersten Tage des Monats im Dezember ist an den Märkten seit einigen Tagen eine Konsolidierung zu verzeichnen (der MSCI World Index ist im November um nahezu 13% gestiegen). Die Märkte werden weiterhin von zwei Hauptthemen beherrscht: Impfstoffe gegen das Coronavirus und die Aussicht auf Stimulusmaßnahmen für die US-Konjunktur.

Es besteht das Risiko, dass die Märkte einen zu großen Vorsprung vor der makroökonomischen Situation gewinnen, besonders, da die Zahlen der Infektionen und Krankenhauseinweisungen in den USA und weiten Teilen Europas nach wie vor steigen. Bundeskanzlerin Merkel gab heute bekannt, dass in Deutschland ein harter Lockdown vor Weihnachten erforderlich sei, um die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen.

Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen ist wieder auf 0,94% zurückgegangen. Am vergangenen Freitag hatte sie mit 0,98% ihren höchsten Stand seit den Marktturbulenzen im März erreicht, als die Anleger ihre Schulden aus dem sicheren Hafen zurückzogen. Unterdessen bleiben die Indizes S&P 500 und NASDAQ nahe an ihren Allzeithochs.

Volles Programm für die politischen Entscheidungsträger

Bei den Brexit-Verhandlungen konnte bisher kein Weg aus der Sackgasse gefunden werden. Der Markt wartet derzeit ab, ob beim jüngsten Treffen zwischen Boris Johnson und Ursula von der Leyen ein Kompromiss zustande kommt, der ein Abkommen ermöglichen würde. Natürlich besteht nach wie vor die Möglichkeit eines „No Deal“-Brexit, aber der Konsens geht davon aus, dass die wirtschaftlichen und politischen Kosten eines solchen zu einer Einigung im letzten Moment führen werden.

Neben dem Brexit wird beim EU-Gipfel diese Woche auch über den Haushalt der Europäischen Union für 2021 sowie den EU-Wiederaufbaufonds diskutiert werden. Aufgrund des Vetos von Polen und Ungarn gegen den Wiederaufbaufonds ist es wahrscheinlich, dass die EU den Fonds unter Rückgriff auf freiwillige Garantien unabhängig vom Haushalt beschließt und so das Veto umgeht.

Immer mehr Bedenken in Bezug auf den US-Arbeitsmarkt

Im November schufen die Unternehmen des privaten Sektors in den USA 345.000 Stellen; das war weniger als erwartet (der Bloomberg-Konsens ging von 540.000 aus, was in normalen Zeiten ein beträchtlicher Irrtum wäre). Die Arbeitslosenrate in den USA ist zwar von 6,9% auf 6,7% zurückgegangen, allerdings aus dem falschen Grund: Einige Arbeitslose suchten nicht mehr nach einer neuer Stelle und wurden somit nicht länger in den Arbeitsmarktstatistiken erfasst.

In der US-Volkswirtschaft gingen seit Februar letztendlich fast 10 Millionen Stellen verloren. Im gegenwärtigen Rhythmus würde es bis 2023 dauern, um die gesamten Stellenverluste am Arbeitsmarkt wieder wettzumachen.

Im nächsten Frühjahr/Sommer ist mit einer möglicherweise sehr plötzlichen Welle an Einstellungen in den Sektoren zu rechnen, denen die Einführung einer Impfung auf breiter Ebene zugute käme (Restaurants, Freizeitangebote). Dennoch hat die Lage am US-Arbeitsmarkt den Fed-Vorsitzenden Powell erneut dazu bewegt, den Kongress aufzufordern, die Konjunktur lieber mit Hilfe der Fiskalpolitik überzustimulieren als unzureichende Maßnahmen zu riskieren.

Vielleicht ist es auf die Kommentare von Powell zurückzuführen, eventuell auch auf die Verschlechterung der COVID-19-Situation, dass die politischen Entscheidungsträger im US-Kongress einer Einigung auf eine neue Runde fiskalischer Stimulusmaßnahmen etwas näher gekommen sind. Sie hoffen, dieses Thema vor der Weihnachtspause des Kongresses als erledigt abhaken zu können.

Sowohl über den Umfang als auch den Inhalt des Pakets muss noch verhandelt werden. Die Trump-Regierung hat der demokratischen Fraktion im Kongress gestern ein neues Angebot über fiskalischen Stimulus im Wert von 916 Mrd. USD unterbreitet.

Die Beobachter erwarten allgemein die Verabschiedung eines neuen Stimuluspakets durch den US-Kongress, auch wenn die Meinungen über Zeitpunkt und Umfang auseinandergehen. Sollten Maßnahmen noch vor Weihnachten verabschiedet werden, wäre das früher als von den meisten Kommentatoren erwartet. Ein Stimuluspaket, dessen Wert deutlich näher an 500 Mrd. USD als an 1 Billion USD liegen würde, wäre allerdings auch kleiner als von der Mehrheit prognostiziert.

Die Demokraten sehen die jüngsten Verhandlungen als Sprungbrett für weitere Stimulusmaßnahmen nach der Amtseinführung des designierten Präsidenten Biden am 20. Januar 2021. Sollte die demokratische Partei allerdings nicht beide Stichwahlen in Georgia Anfang Januar gewinnen, könnte der US-Senat alles ablehnen, was über ein zusätzliches Fiskalpaket hinausgeht, wenn im neuen Jahr Impfungen auf breiter Ebene erfolgen.

Warten auf die EZB-Sitzung

Morgen findet die letzte geldpolitische Sitzung des Rates der Europäischen Zentralbank (EZB) im Jahr 2020 statt. Da bald Coronavirus-Impfungen in ganz Europa genehmigt und ausgeliefert werden dürften, erwartet man von den Konjunkturprognosen der EZB einen optimistischeren Ausblick. Aufgrund einer potenziellen Konjunkturverlangsamung im vierten Quartal könnte die Zentralbank ihre Wachstumsaussichten für 2021 allerdings nach unten korrigieren. Die Anleger werden sich des Weiteren darauf konzentrieren, ob die EZB ihre Inflationsprognosen senkt.

Die EZB-Vorsitzende Christine Lagarde und andere geldpolitische Entscheidungsträger der EZB ließen bereits durchblicken, dass sie die Stimulusmaßnahmen der Zentralbank mit großer Wahrscheinlichkeit verstärken werden, um weiteren Beeinträchtigungen der Volkswirtschaft durch die Coronavirus-Pandemie und die Einschränkungen im Rahmen der Lockdowns entgegenzuwirken.

Wir erwarten morgen mehr Klarheit im Zusammenhang mit den folgenden Bereichen der EZB-Politik:

  • Ausweitung des Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP)

Im Rahmen des im letzten Frühjahr anlässlich der Ausbreitung des Virus in Europa aufgelegten, quantitativen Lockerungsprogramms sollen Anleihen im Wert von bis zu 1,35 Billionen EUR gekauft werden. Das Programm soll bis Juni 2021 laufen. Die EZB wird allerdings Umfang und Zeitrahmen angesichts der neuen Welle an Coronavirus-Infektionen und Einschränkungen wahrscheinlich erweitern. Derzeit stehen noch 600 Mrd. Euro für Anleihekäufe zur Verfügung. Die EZB könnte dieses Programm um bis zu 500 Mrd. EUR aufstocken und das PEPP bis Ende 2021 oder sogar Juni 2022 verlängern und so in der Lage sein, rund 70% aller von den Regierungen der Eurozone im nächsten Jahr begebenen Anleihen zu kaufen, was 150% der Nettoemissionen nach Rücknahmen entsprechen würde.

  • Ausweitung der Darlehen an die Banken

Das zweite Element der Reaktion der EZB auf die Krise besteht in der Vergabe von Krediten an Banken zu extrem niedrigen Zinsen, damit diese ihrerseits die Volkswirtschaft leichter mit Krediten versorgen können. Im Rahmen ihrer gezielten langfristigen Refinanzierungsgeschäfte (TLTRO) hat die EZB den Banken etwa 1,5 Billionen Euro zu so niedrigen Zinsen wie minus 1% zur Verfügung gestellt. Dazu wurde allerdings die Bedingung gemacht, dass die Banken die Kreditvergabeniveaus aufrecht erhalten. Dieses Programm soll bis März 2021 laufen. Die EZB zieht eine Verlängerung in Erwägung, und morgen dürften wir klare Informationen zu einer möglichen Zinssenkung erhalten. Die Chancen, dass die EZB ihre Leitzinsen morgen auf unter minus 0,5% senkt, halten wir für äußerst gering.

Wir sind der Meinung, dass die Zentralbank Renditen und Spreads bereits kontrolliert. Man kann sagen, dass die EZB ihre Möglichkeiten bald ausgeschöpft hat und sich auf Glück und entgegenkommende Fiskalpolitik verlässt, um die Nachfrage anzukurbeln, auch wenn das die Preise der Anlagen weiter steigen lässt.

Diagramm 1: Ungelegene Erholung – Der Euro-Kurs ist in den letzten Wochen auf über 1,21 gestiegen und hat seinen höchsten Stand seit 2018 erreicht (das Diagramm zeigt die Entwicklung des Wechselkurses EUR/USD zwischen Januar 2018 und dem 08.12.2020).

Quelle: BNP Paribas Asset Management, Stand: 09.12.2020

Die Erholung des Euros spiegelt hauptsächlich einen schwächeren US-Dollar wider, bleibt für die EZB aber problematisch, weil der stärkere Euro durch sinkende Importpreise Abwärtsdruck auf die Inflation ausübt. Der stärkere Euro neutralisiert möglicherweise die reflationäre Wirkung der fiskalischen Maßnahmen, die als Reaktion auf die Pandemie ergriffen wurden.


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