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Wöchentliches Investment Update – Schwellenländer verpassen Anstieg von Aktien und Anleihen

Auf den ersten Blick könnte die Entwicklung der Finanzmärkte im Juli überraschen: Die internationalen Aktien verzeichneten trotz eines starken Rückgangs der Schwellenländeraktien im sechsten Monat in Folge einen Anstieg. Währenddessen verbesserten sich auch die Rentenmärkte stark, mit Ausnahme der Schwellenländer.

Die Volatilität nahm im Juli zeitweise stark zu: Sie erreichte in der Tat ihren höchsten Wert seit Anfang Mai und ließ die Aktien innerhalb eines Monats von einem historischen Höchststand auf ein absolutes Tief fallen, bevor sie gegen Monatsende wieder einen Höchstwert erreichten. Die Schwellenländeraktien hatten unter einem anhaltenden Ausverkauf chinesischer Aktien zu leiden, der darauf zurückzuführen war, dass die Regierung mit Regulierungen gegen Sektoren wie Ride Hailing und Glücksspiel durchgegriffen hatte.

Konjunkturwachstum – Im Lot  

Die Märkte machten sich zwar Sorgen, dass die Konjunkturerholung ihren Höhepunkt erreicht haben könnte, aber die aktuellen Einkaufsmanagerdaten, die als Frühindikator für die Entwicklung des Wachstums gelten, zeigten keine deutliche Verlangsamung. Der chinesische Einkaufsmanagerindex für Juli, der typischerweise als stellvertretend für das Wachstum der Schwellenmärkte allgemein betrachtet wird, ging gegenüber dem Vormonat um 0,5 Prozentpunkte zurück und zeigte eine Verlangsamung der Aktivität der Unternehmen. Der Indikator blieb über 50, was ein Zeichen dafür ist, dass die Konjunkturexpansion allgemein weitergeht.

In der Eurozone verbesserte sich die Geschäftsaktivität im Juli so schnell wie seit gut 15 Jahren nicht. Der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor erreichte im Juli mit 59,8 (gegenüber 58,3 im Juni) seinen höchsten Stand seit Juni 2006 und entspricht einem starken Wachstum der Geschäftsaktivität.

Das Wachstum des US-BIP blieb in Q2 mit 6,5 % annualisiert (im Vergleich zu 6,3 % in Q1) hinter den Erwartungen zurück. Während die Lagerbestände und die Nettoexporte zurückgingen, stiegen die privaten Konsumausgaben und die ausländischen privaten Investitionen stark. Das BIP lag über dem vor Covid erreichten Höchststand. Dank massiver fiskalischer und geldpolitischer Stimulusmaßnahmen ist es inzwischen zu seinem vor Covid verzeichneten Trend zurückgekehrt.

Die US Federal Reserve gab trotz des Konjunkturaufschwungs zu verstehen, dass immer noch ‚Boden zurückgewonnen werden muss‘, bevor sie beginnen wird, ihre aufgrund der Pandemie eingeführten Konjunkturpakete zurückzufahren. Am Arbeitsmarkt sind weiterhin rund sieben Millionen Stellen weniger zu verzeichnen als vor Covid. Der Ausblick unterliegt nach wie vor gewissen Risiken, vor allem im Zusammenhang mit der zunehmenden Zahl an Fällen der Delta-Variante.

Aktien: Rekordwerte

Die Sorgen um die Verlangsamung des weltweiten Wachstums wurden im Juli durch die Meldung hoher Unternehmensgewinne und der immer noch extrem niedrigen Zinsen wettgemacht. Die Märkte erhielten durch Optimismus bezüglich des Ausblicks für die US-Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte 2021 Auftrieb, obwohl die Covid-Infektionszahlen aufgrund der ansteckenderen Delta-Variante zunahmen.

Manche Beobachter erwähnen das geringe Risiko umfassender Lockdowns, während andere feststellen, dass die Krankenhauseinweisungen und Todesfälle bei Weitem nicht so schnell stiegen wie die Fallzahlen.

Die US-Aktien verzeichneten im sechsten Monat in Folge einen Anstieg. Der S&P 500 verbesserte sich um mehr als 2 %, während der überwiegend aus Technologiewerten bestehende NASDAQ und der Dow Jones jeweils mehr als 1 % zulegten.

Auch die europäischen Aktien erreichten absolute Höchstwerte und konnten sich im sechsten Monat in Folge verbessern. Mid-Caps, IT und Dividendenaktien führten den Markt, während der Energiesektor hinterherhinkte.

Einbruch in Asien

Die asiatischen Aktienindizes erlebten dagegen aufgrund der steigenden Covid-Fallzahlen in der Region einen schlechten Monat. Darüber hinaus hatten sie unter Sorgen zu leiden, das regulatorische Durchgreifen im Technologiesektor in China könnte das sich ohnehin bereits verlangsamende Wachstum weiter beeinträchtigen. Das kam noch zu den steigenden Delta-Fallzahlen im Land und zur Abschwächung des Marktes für Grundstücke und Immobilien hinzu. Diese Entwicklungen trübten die Marktstimmung in mehreren Regionen.

Die japanischen Aktien mussten aufgrund von Sorgen um eine weitere Coronavirus-Welle und deren Auswirkungen auf die Konjunkturerholung mehr als 2 % einbüßen. Die Sorgen der Anleger um das weltweite Konjunkturwachstum beeinträchtigten neben den Renditen der US-Staatsanleihen auch den US-Dollar, sodass sich der Yen verbessern konnte. Die Pause in der Abschwächung des Yen erschütterte auch die japanischen Märkte.

Schwache Daten aus dem eigenen Land, Sorgen um das Wachstum in China und volatile Ölpreise – Japan importiert rund drei Viertel seines Erdölverbrauchs – lasteten ebenfalls auf dem Markt.

Wir sind der Ansicht, dass es trotz der guten Gewinndynamik der jüngsten Zeit und der anhaltenden Unterstützung durch die Pandemie-Programme der Zentralbank Gründe gibt, gegenüber Aktien vorsichtig zu bleiben. Die jüngsten Erholungen folgten auf bescheidene Ausverkäufe, nicht auf starke Rückgänge, und Einbrüche zogen nicht wesentlich mehr neue Käufer an bzw. lösten keine Käufe auf breiter Ebene aus. Wir halten die Gewinne der letzten Zeit für gefährdet.

Anleihen: Die Rally hält an

Die Renditen gingen zurück, da die Anleger Zuflucht in als sichere Häfen geltenden Anlagen wie US-Staatsanleihen und Bundesanleihen suchten, sodass sich die Rally um einen dritten Monat verlängerte.

Am US-Markt verzeichneten die Renditen von Staatsanleihen mit zwei- und zehnjährigen Laufzeiten ihre stärksten monatlichen Rückgänge seit mehr als einem Jahr (März 2020), obwohl die bevorzugte Inflationsmessung der Federal Reserve im Juni stark anstieg und ihren vierten hohen Zuwachs in Folge verzeichnete. Der Anstieg im Juni war allerdings geringer als laut der Prognosen erwartet.

Die Anleger schließen sich offensichtlich immer noch der Fed an und akzeptieren deren Ansicht, dass die höhere Inflation auf Lieferengpässe und Knappheit zurückzuführen ist, die mit Fortschreiten der Erholung nachlassen dürften. Ironischerweise dürfte der Druck auch deshalb geringer werden, weil die Verlangsamung des Wachstums die Nachfrage dämpft.

Die Renditen von Anleihen mit langen Laufzeiten fielen während des Monats auf ihre tiefsten Werte seit rund fünf Monaten.

Wie entwickeln sich die Realrenditen?

Manche Anleger machen sich offensichtlich Sorgen, dass die sehr geringen Realrenditen – also die Renditen, die Anleger nach Berücksichtigung der Inflation erwarten können – als Warnung vor einer (bevorstehenden) starken Verlangsamung des Wachstums verstanden werden sollten, weil die Ausbreitung der Delta-Variante Unternehmen und Verbraucher wieder vorsichtig macht.

Andere argumentieren, dass die Konditionen an den Märkten zu pessimistisch werden und stellen die starke Erholung der US-Konjunktur in den Vordergrund, obwohl das Wachstum inzwischen seinen Höhepunkt erreicht hat.

Eine weitere Erklärung könnte sein, dass die anhaltenden, umfassenden Anleihekäufe der Zentralbanken die Renditen allgemein immer noch niedrig halten – selbst die inflationsbereinigten Renditen, die in den USA, dem Vereinigten Königreich und Europa hoch waren. Offensichtlich ist so bald auch kein Ende dieser Konjunkturmaßnahmen in Sicht.

Die Fed, die während der Pandemie monatlich Anleihen im Wert von 120 Mrd. USD kaufte, um die Kreditkosten für Haushalte und Unternehmen niedrig zu halten, wiederholte nach ihrer letzten geldpolitischen Sitzung, dass es noch zu früh sei, um die Geldpolitik zu straffen, obwohl die Konjunktur ‚Fortschritte‘ mache. Eine Drosselung der Anleihekäufe könnte durch eine Verlangsamung des Wachstums verzögert werden, die den Märkten zuträglich sein dürfte.

An den anderen Rentenmärkten war der Monat für auf USD, EUR und GBP lautende High Yield-Anleihen positiv, die im siebten Monat in Folge Gewinne erzielten. Im Segment festverzinslicher Anlagen waren inflationsgekoppelte Anleihen aus dem Vereinigten Königreich führend.   

Gold wurde durch die kontinuierlich steigende Inflation und die Rückgänge der Realrenditen gestützt, die das Edelmetall als Absicherung gegen Inflation interessanter machten. Allgemein bildeten die Rohstoffe im Juli die Anlageklasse mit der besten Performance.

RENTENMÄRKTE      
10-Jahres-Rendite   Monatliche Veränderung 2021
US T-Note 1,22 -25 31
JGB 0,02 -4 0
OAT -0,11 -23 23
Bundesanleihe -0,46 -25 11
AKTIENMÄRKTE      
Euro Stoxx 50 4089,3 0,6 % 15,1 %
Stoxx Europe 50 3555,8 1,2 % 14,4 %
       
Dow Jones 30 34935,5 1,3 % 14,1 %
Nasdaq 14672,7 1,2 % 13,8 %
S&P 500 4395,3 2,3 % 17,0 %
       
Topix 1901,08 -2,2 % 5,3 %
       
MSCI all countries (*) 724,2 0,6 % 12,1 %
MSCI Emerging (*) 1277,8 -7,0 % -1,0 %
(*) in USD      

Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und basieren auf den verfügbaren Informationen, womit sie ohne vorherige Ankündigung geändert werden können. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen.

Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück.

Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen.

Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.

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