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Wöchentliches Investment Update – Sollten wir auf den Rentenmarkt hören?

Seit Anfang des Jahres sind die Renditen zehnjähriger US-Treasuries um 25 Bp auf ihren höchsten Wert seit fast 11 Monaten gestiegen, da die Märkte mit einer Normalisierung der Konjunktur und weiterem, massiven fiskalischen Stimulus rechnen.

Die Rendite zehnjähriger Treasuries erreichte am 8. Februar mit 1,17 % ihren höchsten Stand seit fast einem Jahr. In der Eurozone liegt die Rendite der als Benchmark dienenden, zehnjährigen Bundesanleihen jetzt bei rund -0,45 %. Das sind ungefähr 12 Bp mehr als Ende 2020, und ein derartiger Wert wurde seit September letzten Jahres nicht erreicht. Die Rendite zehnjähriger UK Gilts stieg von 0,32 % Anfang Februar auf 0,48 % am Tag nach der letzten geldpolitischen Sitzung der Bank of England.

Theorie und Praxis

Diese höheren Renditen weisen auf ein Umfeld hin, das laut Wirtschaftslehrbüchern Aufwärtsdruck auf langfristige Zinsen rechtfertigt: höhere Haushaltsdefizite, steigende Inflation und entgegenkommende Geldpolitik.

In den USA genehmigt der letzte Woche verabschiedete Haushaltsbeschluss ein Coronavirus-Rettungspaket in Höhe von 1,9 Billionen USD. Dieses sehr umfassende Fiskalpaket könnte schnell und ohne große Änderungen genehmigt werden, wenn die Biden-Regierung sich für das Reconciliation-Verfahren entscheidet. Eine von beiden Parteien unterstützte Maßnahme, für die die Zustimmung von mindestens 10 republikanischen Senatoren erforderlich wäre, wäre wahrscheinlich von wesentlich geringerem Umfang, aber historisch gesehen trotzdem bedeutend.

Die Anleiherenditen in der Eurozone reagierten auf die Neuigkeit, dass die Kerninflation von 0,2 % im Vorjahresvergleich im Dezember auf 1,4 % im Januar gestiegen war. Hinter diesem Anstieg stecken in erster Linie idiosynkratische Faktoren: Basiseffekte, die Anpassung des Waren- und Dienstleistungskorbs, der der Berechnung des Verbraucherpreisindex zugrunde liegt und das Ende der Mehrwertsteuersenkung in Deutschland. Dennoch werden die Anleger die detaillierten Inflationswerte, die in den nächsten Tagen veröffentlicht werden, genau untersuchen.

Die Renditen der Gilts stiegen, nachdem die Kommentare der Bank of England zum Konjunkturausblick positiver ausfielen als erwartet und diese zu verstehen gab, dass sie ihre Zinsen vorerst nicht in den negativen Bereich senken würde.

Unbeantwortete Fragen

Auch in den USA macht man sich Sorgen um die Inflation, da Umfragen Aufwärtsdruck auf die Preise zeigen. Marktbeobachter begannen, in den Kommentaren der Zentralbankvertreter nach Hinweisen darauf zu suchen, wann die Federal Reserve ihre Anleihekäufe herunterfahren könnte.

Dem Fed-Vorsitzenden Jerome Powell zufolge wären derartige Maßnahmen im aktuellen Umfeld verfrüht. Die Botschaft der Zentralbank ist eindeutig: Die geldpolitische Unterstützung bleibt.

Die EZB war im Hinblick auf ihre Haltung ebenfalls transparent. Ihre Präsidentin Christine Lagarde wiederholte kürzlich in einem Presseinterview: „Für unser Engagement für den Euro gibt es keine Grenzen. Wir werden so lange handeln, wie die Pandemie in der Eurozone zu einer Krisensituation führt.“

Noch ist die Krise nicht vorbei

Die ermutigenden Fortschritte bei den Impfkampagnen (zumindest in einigen Ländern) ließen Hoffnung aufkommen, dass in wenigen Monaten eine Rückkehr zum ‚normalen‘ Leben möglich sein wird. Für den Rest des Jahres 2021 würde eine zyklische Erholung folgen. Diese Ansicht teilen wir, würden den Anlegern jedoch raten, sich nicht zu weit vorzuwagen. Die starke Erholung des weltweiten Wachstums um 5,5 %, die der IWF nach dem Rückgang um 3,5 % im Jahr 2020 erwartet, bedeutet nicht, dass die Auswirkungen der Krise plötzlich verschwinden.

Nehmen wir den Arbeitsmarkt als Beispiel. Die Arbeitslosenrate in den USA fiel im Januar auf 6,3 % und ist jetzt weniger als halb so hoch wie im April letzten Jahres (14,8 %). Vor der Pandemie betrug diese Rate jedoch nur 3,5 %. Bereinigt man den aktuellen Wert um Schwankungen aufgrund vorübergehender Ausstellungen und entmutigter Arbeitnehmer, liegt die Arbeitslosenrate eher bei 8 % und hat sich seit dem letzten Frühjahr nur unwesentlich verändert.

Schlussfolgerungen

Eine alte Anlegerweisheit lautet: „Don‘t fight the Fed – Stelle dich nicht gegen die Fed.“ Wir rechnen in der Tat damit, dass die Zentralbanken ihre massiven Anleihekäufe fortsetzen werden, bis bei Wachstum und Inflation deutliche Fortschritte zu verzeichnen sind.

Egal, wie verfrüht die Erwartungen einer wesentlich höheren Inflation und anderer Probleme im Zusammenhang mit Wachstum sein mögen – wir sind davon überzeugt, dass eine kurze Durationsposition in Benchmark-Anleihen aus der Eurozone und den USA jetzt angebracht sein könnte. Dasselbe gilt für eine Long-Position in Breakeven-Inflation.

Wir gewichten weiterhin auch den italienischen BTP-Markt über, da die Aussichten, dass Mario Draghi die nächste Regierung leiten wird, offensichtlich gestiegen sind und das Risiko vorgezogener Wahlen zurückgegangen ist. Das Renditestreben der Anleger dürfte für weitere Unterstützung sorgen.


Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, basieren auf den verfügbaren Informationen und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen.

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