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Der offizielle Blog von BNP Paribas Asset Management

Wöchentliches Investment Update – Unsicherheit um die Risikobereitschaft am Markt

Gemischte Neuigkeiten ließen bei den Anlegern Unsicherheit bezüglich ihrer Bereitschaft zum Kauf von riskanten Anlagen aufkommen: Positiven Meldungen zu den hohen Gewinnen der US-Unternehmen standen die unzureichenden Fortschritte im Zusammenhang mit dem (bereits reduzierten) Ausgabenplan von US-Präsident Biden und steigende Covid-Fallzahlen gegenüber.   

Des Weiteren wird die Risikobereitschaft durch folgende Faktoren gedämpft: Störungen der Lieferketten und die damit einhergehende Angst vor Stagflation – das US-BIP wuchs im dritten Quartal mit nur 2,0 % weniger als erwartet. Diese Sorgen bewirkten, dass die Märkte ihre Erwartungen bezüglich der Leitzinsen der großen Zentralbanken änderten.

Anleihehändler verkauften Anleihen mit kürzeren Laufzeiten und kauften solche mit längeren Laufzeiten, als sie ihre Positionen angesichts der aggressiveren Geldpolitik der Zentralbanken aufstockten. Die Renditen für US-Staatsanleihen mit zweijähriger Laufzeit sind seit Anfang Oktober stark gestiegen, während die Renditen für Laufzeiten von 10 und 30 Jahren zurückgingen.

Die Renditekurven in Kanada und im Vereinigten Königreich verflachten sich ebenfalls, da man zunehmend davon ausgeht, dass beide Zentralbanken ihre Leitzinsen Anfang 2022 anheben.

Die Kluft zwischen kurz- und langfristigen Renditen ist an einigen wichtigen Märkten, darunter Deutschland, enger geworden. In Europa positionieren sich die Anleger ebenfalls für frühere Zinserhöhungen, nachdem die Inflation in der Eurozone im September 3,4 % erreicht hatte und für Oktober inzwischen ein 13-Jahres-Hoch von 3,7 % prognostiziert wird. EZB-Präsidentin Chrstine Lagarde wies diese Idee allerdings zurück.

Japan ist das einzige Land, in dem die Inflationserwartungen niedrig blieben. Die Bank of Japan ließ ihre Geldpolitik unverändert. Sie erwartet, dass die Inflation noch mindestens zwei Jahre lang unter ihrem Ziel von 2 % bleibt, so dass sie ihre geldpolitischen Konjunkturmaßnahmen vorerst unverändert lassen kann.

Weiterhin gestörte Lieferketten

Lieferschwierigkeiten beeinträchtigen weiterhin die Produktion und den weltweiten Vertrieb und sorgen dafür, dass der Preisdruck hoch bleibt. Manche Marktteilnehmer fragen sich daher, ob der Inflationsanstieg wirklich nur vorübergehender Art ist, wie es uns die Zentralbanken versichern. Nachdem bekannt wurde, dass das Wachstum in den USA im dritten Quartal geringer ausfiel als erwartet, ließen auch die chinesischen Einkaufsmanagerdaten eine weitere Verlangsamung der Konjunkturdynamik erwarten.

Obwohl es sich bei der Stromunterversorgung in China um einen wesentlichen Störfaktor für die Produktion und die Lieferketten in der ganzen Welt handelt, werden die Auswirkungen in den USA besonders deutlich (siehe Diagramm 1) – das Land kann als repräsentativ für die Lieferprobleme der Industrieländer betrachtet werden. Das alles beeinflusst die Inflationserwartungen und sorgt dafür, dass manche Anleger mit einer für längere Zeit höheren Inflation rechnen und sich Sorgen machen, dass es zu Stagflation kommen könnte.

Die Tendenz in China geht zu mehr geldpolitischer Lockerung

Das rückläufige Wachstum aufgrund sporadischer Covid-19-Ausbrüche und der Stromunterversorgung setzen Peking unter Druck, die Geldpolitik weiter zu lockern, auch wenn die Maßnahmen sorgfältig ausgewählt werden. Die Banken erhielten Anweisung, ‚zu starke Einschränkungen‘ bei Immobilienkrediten zu vermeiden und weiterhin für ‚positives Wachstum‘ bei Entwicklungskrediten zu sorgen. Hierbei handelt es sich um Kredite an Immobilienentwickler für den Wohnungsbau – aber nicht für Hypotheken oder den Kauf von Grundstücken – mit denen sichergestellt werden soll, dass bereits verkaufte Wohnungen geliefert werden können.

Dies ist eine Feineinstellung, um die geldpolitischen Einschränkungen für den Immobilienmarkt zu lockern. Diese Maßnahme darf nicht mit einer umfassenden geldpolitischen Lockerung verwechselt werden. Sie zeigt die vorsichtige Haltung Pekings, um eine potenziell systemische Kreditkrise und eine harte Landung der Volkswirtschaft aufgrund der Probleme des Immobiliensektors zu verhindern.

Die wirtschaftliche Schmerzgrenze Pekings liegt jetzt wohl höher als vorher, denn die Behörden scheinen eher bereit zu sein, auf kurze Sicht Opfer zu bringen, um langfristig Gewinn zu erzielen.

Dieses makroökonomische Umfeld beeinträchtigt die chinesischen Aktien immer noch. Der Markt könnte sich weiterhin innerhalb seiner Handelsspanne entwickeln, bis sich neue Katalysatoren abzeichnen, zu denen die Folgenden zählen könnten:

1) Ein Wendepunkt beim Kreditimpuls, was gleichbedeutend ist mit weiterer geldpolitischer Lockerung

2) Mehr Emissionen an Anleihen von Lokalregierungen, die das Gesamt-Kreditwachstum und somit die Investitionsausgaben fördern dürften

3) Positive Entwicklungen der Beziehungen zwischen China und den USA im Zusammenhang mit den Verhandlungen über Handel und Zölle.

Was steht bei der Klimakonferenz COP26 auf dem Spiel?

Der Weltklimagipfel in Glasgow ist derzeit in vollem Gange, und die Welt beobachtet besonders zwei Aspekte sehr aufmerksam: 

1) Den Ausgang der Verhandlungen über die offenen Probleme im Zusammenhang mit dem Regelwerk des Pariser Klimaschutzabkommens

2) Ob man sich auf angemessene Finanzströme in Schwellenländer für die nachhaltige Entwicklung einigt.

Des Weiteren wird sich die Aufmerksamkeit auf die Verpflichtungen einzelner Länder konzentrieren, die CO2-Emissionen in Übereinstimmung mit dem Ziel des Pariser Abkommens zu reduzieren, um den weltweiten Temperaturanstieg auf 2,0° C, vorzugsweise sogar auf 1,5°C zu beschränken, um zukünftige Klimakatastrophen zu verhindern.

Die Diskussionen in Glasgow sind ebenso wichtig wie die Unterstützung der zukünftig erforderlichen Technologien durch die Investoren, die Förderung der notwendigen organisatorischen Veränderungen und die Verteidigung wirksamer politischer Veränderungen, die gleichzeitig einen gerechten Übergang zu einer CO2-armen Wirtschaft erleichtern.

Noch wichtiger ist, dass sämtliche Maßnahmen reale Veränderungen in der Realwirtschaft bewirken, damit die Emissionen so weit wie nötig gesenkt werden können, um das Netto-Null-Ziel zu erreichen.


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