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Wöchentliches Investment Update – Unterscheidung zwischen kurz- und langfristigen Problemen

Finanzmärkte reagieren häufig mit einer Unmittelbarkeit, die kurzfristige Anstiege oder Rückgänge auslösen kann. Dies war kürzlich bei den US-Anleiherenditen zu beobachten. Natürlich verstehen wir derartige Entwicklungen. Dennoch ist es gut, sie mit etwas Abstand zu betrachten, um die Vorgehensweise der Zentralbanken nachvollziehen zu können.

Wenn man den Marktschluss am 2. März als Ausgangspunkt nimmt, spiegelten die jüngsten Entwicklungen der Aktien und Anleihen wider, was wir bereits in der zweiten Februarhälfte beobachten konnten. Jedoch mit wesentlich mehr Schwankungen verbunden.

Die langfristigen Anleiherenditen sind gestiegen (zehnjährige US-T-Note: +14 Basispunkte auf 1,53 % am 9. März; zehnjährige Bundesanleihe: +5 Basispunkte auf -0,30 %).

Gemessen am MSCI AC World Index (in US-Dollar) sind die internationalen Aktien um 0,6 % gefallen. In den USA erreichte der NASDAQ Composite Index am 8. März seinen niedrigsten Stand seit Mitte Dezember. Am nächsten Tag legte er erneut 3,7 % zu, verlor aber während der Woche trotzdem 2,1 %.

Vor welchem Hintergrund erfolgten diese jüngsten Entwicklungen?

Fortschritt der Impfkampagnen

In den USA, Großbritannien und in Spanien gehen die täglichen Infektionszahlen zurück, in Italien und Deutschland hingegen steigen sie und in Frankreich bleiben sie hoch. Daher liegt das Hauptaugenmerk der Anleger auf dem Fortschritt der Impfkampagnen.

Diese entwickeln sich insgesamt recht gut und liefern vielversprechende Ergebnisse. Zumindest wirken die Impfziele der Regierungen jetzt trotz verspäteter Lieferungen und Verzögerungen bei der verwaltungstechnischen Abwicklung realisierbar. Des Weiteren zeigen Untersuchungen durchweg, dass die Impfungen gegen schwere Varianten des Virus schützen und die Ansteckung verringern.

Die Hoffnung auf Erholung nimmt zu

Eine Rückkehr zur Normalität in Sicht ist. Diese ist jedoch für alle - die gerne ihren Urlaub buchen würden, als Pflegepersonal im Krankenhaus arbeiten und unter den Schließungen des Lockdowns nicht dem Tagesgeschäft nachgehen können - noch in weiter Ferne.

Was den Konjunkturausblick betrifft, so führten die vielversprechenden Neuigkeiten von den Impfungen zu einer deutlichen Aufwärtskorrektur der Wachstumsprognosen für 2021. In ihrem jüngsten Konjunkturausblick wies die OECD darauf hin, dass sich der "internationale Konjunkturausblick in den letzten Monaten deutlich verbessert hat".

So kam es zu einer Korrektur desweltweiten Wachstums für dieses Jahr von 4,2 % (Prognose von Dezember) auf 5,6 % nach oben. Dem Bericht zufolge könnte die globale Produktion bis Mitte 2021 ihr Niveau von vor der Pandemie übersteigen, wobei er allerdings betont, dass es voraussichtlich Unterschiede zwischen einzelnen Ländern und Sektoren geben wird.

In diesem Zusammenhang beziehen sich die wichtigsten, im Bericht der OECD erwähnten Auf- und Abwärtsrisiken, auf die Schnelligkeit und den Erfolg der Impfkampagnen. Der Bericht geht allerdings nicht auf die Risiken im Zusammenhang mit einer Überhitzung der Volkswirtschaften und einer Beschleunigung der Inflation ein, obwohl diese Probleme inzwischen seit einigen Wochen die Aufmerksamkeit der Rentenmärkte beherrschen. Der Bericht betont die Bedeutung nachhaltiger geldpolitischer Unterstützung.

Gibt es Zeichen für eine Erholung? Fallstudie: Der US-Arbeitsmarkt

Der jüngste US-Arbeitsmarktbericht zeigte, dass die Netto-Arbeitsplatzschaffung im Privaten Sektor im Februar mit 465.000 weit über den Erwartungen lag (+200.000 laut Bloomberg-Konsens). Diese positive Überraschung war der Erholung der am stärksten von der Pandemie betroffenen Sektoren zu verdanken (so wurden z. B. in Bars und Restaurants netto 286.000 Arbeitsplätze geschaffen). Die Zunahme der Zahl der Arbeitsplätze war auch Zeitarbeitsunternehmen zu verdanken, was traditionell als positives Zeichen für den Arbeitsmarkt insgesamt gewertet wird.

Wir rechnen damit, dass die Arbeitsplatzschaffung auch in den nächsten Monaten dynamisch bleibt, weil die Fortschritte bei den Impfkampagnen die Erholung vieler anderer Sektoren ermöglichen. Bis Vollbeschäftigung erreicht sein wird, dürfte jedoch noch einige Zeit vergehen.

Einer Umfrage bei Unternehmen zufolge gibt es derzeit 9,5 Millionen weniger Arbeitsplätze als vor der Pandemie. Noch besorgniserregender ist (weil es eine strukturelle Schwäche zeigt), dass die Umfrage zur Beschäftigung der Haushalte ergibt, dass im Vergleich zu Februar 2020 5,5 Millionen Menschen den Arbeitsmarkt verlassen haben. Von diesen waren mehr als die Hälfte – drei Millionen – Frauen (siehe Diagramm 1), und diese Arbeitskräfte brauchen i.d.R länger, um auf den Arbeitsmarkt zurückzufinden, als Männer.

Wir sind davon überzeugt, dass diese Zahlen den den finanziellen Anreiz der Biden-Regierung im Wert von mehreren Billionen Dollar durchaus rechtfertigen, da es schwierig sein wird, die Menschen wieder auf den Arbeitsmarkt zurückzubringen. Sollte im Ergebnis eine Überhitzung der US-Volkswirtschaft festzustellen sein, hätte man diese zugelassen, um zur Vollbeschäftigung zurückzufinden.

Finanzministerin Janet Yellen erinnerte die Marktbeobachter bereits am 7. Februar daran, dass mit dem Stützpaket die Absicht verfolgt würde‚ "die Erholung zu beschleunigen" und dass es helfen solle, bis 2022 wieder Vollbeschäftigung zu erreichen (und nicht erst 2025, was ohne Maßnahmen wahrscheinlich der Fall wäre).

Was bedeutet das für die Märkte?

Die Inflationsangst wird nicht einfach verschwinden - besonders, da die Preisindizes durch verschiedene Faktoren verzerrt bleiben. Bei den Energiepreisen werden Basiseffekte ins Spiel kommen. Selbst wenn es sich nur um vorübergehende Probleme handelt, werden die Anleger in Rentenmärkte wahrscheinlich auf kurze Sicht nervös bleiben, was auch Auswirkungen auf die Aktien haben könnte.

Die Zentralbanken sind typischerweise in der Lage, mit einem allmählichen, angemessen geordneten Anstieg der langfristigen Anleiherenditen zurechtzukommen, solange dieser nicht die günstigen Finanzierungsbedingungen einer Volkswirtschaft gefährdet. Die explizite Festlegung einer Obergrenze der langfristigen Anleiherenditen ist möglicherweise nicht die beste Strategie, zumindest nicht auf kurze Sicht.

Für die Zentralbanken, besonders die Fed, ist es wesentlich wichtiger, zu wiederholen, dass präventive Leitzinserhöhungen nicht länger auf dem Programm stehen. Die vom Markt erwartete, absehbare Zinserhöhung, die die Anleihekurse in der jüngsten Zeit beeinflusst hat, scheint in der Tat nicht in den neuen geldpolitischen Rahmen der Fed zu passen. In diesem Zusammenhang könnten die Anleger von der besten beider Welten profitieren: Eine zyklische Erholung, die sich in den nächsten Monaten immer deutlicher abzeichnen und mit einer nach wie vor entgegenkommenden Geldpolitik einhergehen dürfte. Sicherlich eine Rückkehr zur Normalität, aber kontrolliert und daher günstig für riskante Anlagen.


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