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Wöchentliches Investment-Update – Verschiedenes im November

Der wichtige US-Feiertag Thanksgiving markiert den Beginn der Vorweihnachtszeit, doch die sprunghaften Bewegungen an den Finanzmärkten vermitteln den Eindruck, dass die Anleger bereits an das nächste Jahr denken. Fragen rund um die Entwicklung der Inflation und die Haltung der US-Notenbank (Fed) sind im Jahr 2022 von zentraler Bedeutung und erklären zum Teil, warum die Volatilität bei Staatsanleihen gestiegen ist. Eine weitere Covid-19-Welle (die fünfte!) bereitet insbesondere Europa Probleme. Trotz dieser Faktoren und der wieder zunehmenden geopolitischen Spannungen bleibt das Szenario für die Wirtschaft unseres Erachtens positiv.

In den letzten Tagen wirkten sich mehrere Meldungen auf die Märkte aus, von der Freigabe von Öl aus der strategischen Ölreserve der USA bis zu einem möglichen Wechsel zu einer expansiveren Geldpolitik in China. Um diese Entwicklungen zu analysieren, wäre für jedes Thema ein eigener Artikel notwendig. Vorläufig sind die Auswirkungen auf die Märkte jedoch eher gering. Nachfolgend erörtern wir die nach unserer Einschätzung entscheidendsten Faktoren für die nächsten Monate.

Die Pandemie – wieder einmal

Die steigende Zahl von Covid-Fällen und die stark strapazierten Krankenhauskapazitäten zwingen immer mehr Regierungen in Europa zu neuen Beschränkungen. Die Anleihemärkte haben darauf reagiert: Die Aussicht auf einen Lockdown in Österreich, der am Wochenende bestätigt wurde, trug dazu bei, dass die Renditen der 10-jährigen deutschen Bundesanleihen Anfang letzter Woche von -0,22 % auf -0,34 % sanken.

Die fünfte Welle belastete auch die Aktienkurse. Am 24. November schlossen europäische Aktien 2,5 % schwächer (EuroSTOXX Index) als am Mittwoch davor. In den USA schnitt der S&P 500 etwas besser ab. Er schloss 0,3 % höher, knapp unter dem Rekordhoch vom 8. November.

Dass vermehrt mit einer restriktiveren Geldpolitik der Fed gerechnet wurde, erklärt zum Teil den stärkeren US-Dollar (+14 % für den DXY-Index vom 18. bis zum 24. November) und die unterdurchschnittliche Entwicklung von Aktien der Schwellenländer (-2,6 % für den MSCI Emerging Index in US-Dollar im Vergleich zu -0,9 % für den MSCI AC World vom 17. bis zum 27. November).

Was hat die Fed im Sinn?

Die Wiederernennung von Jerome Powell zum Fed-Vorsitzenden und von Lael Brainard zur stellvertretenden Vorsitzenden durch US-Präsident Joe Biden dürfte ohne größere Schwierigkeiten vom US-Senat bestätigt werden. Das Entscheidung für Kontinuität und die Ernennung einer Befürworterin einer expansiven Politik dürften den Anlegern gefallen. Allerdings haben beide Kandidaten betont, wie schädlich die Inflation für die Kaufkraft sein könnte. Darin scheint Bidens Aussage Widerhall zu finden, dass „die Inflation den Geldbörsen der Amerikaner schadet. Die Umkehrung dieses Trends ist eine oberste Priorität für mich.“

Dem Protokoll der geldpolitischen Sitzung der Fed vom 4. November, bei der die Drosselung der Wertpapierkäufe ab diesem Monat beschlossen wurde, war zu entnehmen, dass „einige Teilnehmer ein höheres Drosselungstempo, das zu einem früheren Ende der Nettokäufe führen würde, bevorzugt hätten.“

Der geldpolitische Ausschuss betonte außerdem, dass die Kriterien für eine Leitzinserhöhung weit strenger seien als jene, die die Drosselung rechtfertigten. Der Ausschuss schien nicht infrage zu stellen, dass angesichts der Engpässe, die das Angebot in den nächsten Quartalen weiterhin beeinträchtigen werden, Geduld gefragt ist. Bei anderen Anlässen haben aktuelle und ehemalige Fed-Mitglieder hingegen erklärt, dass die aktuelle Inflation aus ihrer Sicht zu hoch sei.

Tatsächlich wird in Anbetracht der beschleunigten Inflation (+4,1 % im Oktober für die bevorzugte Inflationskennzahl der Fed, den Preisindex der privaten Konsumausgaben) zunehmend erwartet, dass die Fed ihre Wertpapierkäufe stärker drosseln und es im Jahr 2022 früher und häufiger zu Leitzinserhöhungen kommen wird.

Darüber hinaus fielen die aktuellen Konjunkturkennzahlen im Allgemeinen höher aus, als vom Markt erwartet, was auf eine Erholung des BIP-Wachstums im 4. Quartal hindeutet. Trotz des Rückgangs des Verbrauchervertrauens waren die privaten Konsumausgaben im Oktober dank höherer verfügbarer Einkommen besonders hoch (+1,3 %).

Ausgezeichnetes Jahresende für die Weltwirtschaft?

Die Verschärfung der Covid-19-Maßnahmen in ganz Kontinentaleuropa bereitet den Aktienanlegern zwar Sorgen, doch diesmal dürften die Auswirkungen auf die wirtschaftliche Aktivität nicht mehr so verheerend sein.

Das französische Statistikamt erklärt in seinem Konjunkturausblick: „Nachdem sie der epidemiologischen Entwicklungskurve eineinhalb Jahre gefolgt ist, hat sich die wirtschaftliche Aktivität in Frankreich im Sommer aufgrund der Impfkampagne davon entkoppelt.“ Viele der aktuellen Maßnahmen zielen auf die Steigerung der Impfquote und vor allem auf mehr Booster-Impfungen vor dem Winter ab.

Die Konjunkturklimaumfragen im November machten Mut. Die Erholung der Einkaufsmanagerindizes (PMIs) für das verarbeitende Gewerbe in der Eurozone, Großbritannien, den USA und Japan ist auffällig. Dies könnte der erste Schritt zur Beseitigung der Engpässe und zur Normalisierung sein. Die Daten für Dezember werden zeigen, ob dieser Trend auch in den Schwellenländern erkennbar ist, während es in Asien bereits erste Anzeichen einer Erholung der Aktivität im verarbeitenden Gewerbe gibt.

Die Daten für den Dienstleistungssektor senden indes durchwachsenere Signale, was häufig an der Pandemie und anderen Unsicherheitsfaktoren liegt. In Frankreich hat der PMI für den Dienstleistungssektor den höchsten Stand seit fast vier Jahren erreicht, und der Geschäftsklimaindex INSEE hat sich in allen Sektoren verbessert.

In Deutschland ist der ifo-Geschäftsklimaindex dagegen im November im fünften Monat in Folge gesunken. Lieferschwierigkeiten in der Industrie, insbesondere in der Automobilindustrie, haben den Index auf den tiefsten Stand seit April gedrückt. Erfreulich ist, dass sich Sozialdemokraten (SPD), Grüne und Liberale (FDP) auf einen Koalitionsvertrag geeinigt haben, was die politische Unsicherheit beseitigt und dem Unternehmens- wie auch dem Verbrauchervertrauen einen Schub geben dürfte.

Sehr viele Fragen für Dezember

Unter den Anlegern scheint sich nun ein neuer Konsens herausgebildet zu haben: Die Inflation ist vorübergehend, wird aber längere Zeit höher bleiben als erwartet. Die Meinungen darüber, was genau das bedeutet, gehen auseinander, auch unter Zentralbankmitgliedern.

Für die EZB scheint die Debatte über mögliche Leitzinserhöhungen weniger dringlich zu sein als für die Fed, jedoch wird die Sitzung des EZB-Rats am 16. Dezember für die Märkte genauso große Bedeutung haben wie die für den Tag davor in Washington geplante Sitzung des US-Offenmarktausschusses.

Auch in Frankfurt gehen die Meinungen in Bezug auf das Verhalten der Geldpolitik allmählich auseinander. Es geht darum, die Bedingungen für Wertpapierkäufe nach dem Ende des Pandemie-Notfallankaufprogramms (PEPP), das für den nächsten März erwartet wird, zu definieren.

Die Verhandlungen wirken zäh, und es ist unsicher, ob und wie die EZB-Vorsitzende Christine Lagarde Fragen, wie zum Beispiel welches Programm das PEPP ersetzen soll und welche Bedingungen für die Wiederaufnahme der Käufe gelten sollen, beantworten wird.

Die Anleihemärkte der „Peripherieländer“ könnten unter dieser Ungewissheit leiden, zumal Anfang 2022 bedeutende Anleiheemissionen anstehen.


Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, basieren auf den verfügbaren Informationen und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen. Die in diesem Podcast zum Ausdruck gebrachten Ansichten dürfen keinesfalls als Anlageberatung betrachtet werden.

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