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Wöchentliches Investment Update – Vorübergehend für länger

Die jüngsten Anstiege der Covid-Fälle werden genau beobachtet, nicht zuletzt, wegen der Möglichkeit, dass ein Ansteigen der Fallzahlen die Wiederöffnungspläne beeinträchtigen und das Verbrauchervertrauen schwächen könnte, was die wirtschaftliche Erholung bremsen würde. Die Nachrichten aus den USA waren diese Woche besser, denn es gibt Anzeichen dafür, dass der Inflationsdruck nun nachlässt, was zahlreiche Notenbanker bereits vorausgesagt hatten.   

Covid-19-Update

Weltweit sind die neuen Covid-Fälle weiter auf nun rund 550.000 pro Tag zurückgegangen, wobei die Infektionsraten vor allem in Asien und Afrika in der letzten Woche sanken.

In den USA sind die Infektionsraten marginal auf rund 150.000 neue Fälle pro Tag gesunken und die Hospitalisierungen stagnieren auf hohem Niveau.

In China sind nach zwei Wochen, in denen es praktisch keine neuen Fälle gab, die Ansteckungszahlen lokal wieder gestiegen, allerdings nur in einer Region. Die Null-Toleranz-Politik des Landes in Sachen Covid-19 bringt ein Abwärtsrisiko für das Wirtschaftswachstum mit sich, falls die Ansteckungen in größerem Umfang ansteigen.

Dieser Punkt wird durch eine vor kurzem getroffene Entscheidung der Regierung von Singapur untermauert, die die geplante Wiedereröffnung verschob, nachdem die Fallzahlen wieder gestiegen waren, obwohl 80% der Einwohner geimpft sind.

Die Delta-Variante hat sich bereits negativ auf das Verbrauchervertrauen und die Einstellung in den USA ausgewirkt. Dies kann sich durchaus auf die Einzelhandelsumsätze im August erstrecken, die am 16. September veröffentlicht werden sollen. Die Stimmung unter den US-Verbrauchern dürfte im September gedämpft bleiben. Die Infektionsraten sind zwar gesunken, doch damit das Vertrauen wieder steigt, ist wahrscheinlich ein nachhaltigerer Rückgang notwendig.

Leichte Verlangsamung der US-Inflation im August  

Laut Daten vom 14. September ist der Anstieg der Verbraucherpreise in den USA im August auf ein moderateres Tempo gefallen; dies legt nahe, dass der Inflationsdruck durch die Wiedereröffnung der Wirtschaft nach den Covid-Lockdowns, der die Inflation im Juli auf ein 13-Jahres-Hoch steigen ließ, nun nachlässt.

Der US-Verbraucherpreisindex (VPI) stieg im August um 5,3% in August gegenüber dem Vorjahr und lag damit knapp unter den 5,4% des Vormonats. Dieser Wert entsprach der Konsensprognose von 5,3%. Gegenüber dem Vormonat ging die Teuerungsrate auf 0,3% zurück. Das ist eine deutliche Verlangsamung gegenüber dem Sprung von 0,9% zwischen Mai und Juni und auch ein Rückgang gegenüber dem jüngsten Anstieg um 0,5% zwischen Juni und Juli.

Auch die Kern-VPI (ohne volatile Faktoren wie Lebensmittel und Energie) verlangsamte sich. Die monatliche Steigerungsrate fiel auf 0,1%, ihren geringsten Wert seit Februar. Im Vorjahresvergleich stieg die Kerninflation um 4%, nach 4,3% im Juli.

Doch eher ein vorübergehendes Phänomen

Die Verlangsamung der US-Inflation im August spiegelt eine teilweise Rückentwicklung der Preisanstiege für Gebrauchtwagen, Transportmittel und bei Hotelunterkünften im späten Frühjahr wider.

Dies stützt die Ansicht, wonach die Überraschungen bei der Inflationsentwicklung von vor ein paar Monaten „vorübergehend“ sind, wie es der Präsident der US-Notenbank ausdrückte. Fed-Präsident Powell wird die Verlangsamung daher begrüßen.

Zurück zur „Low-flation“?

Dass die Preise auf unbestimmte Zeit um fast 1% pro Monat steigen würden, haben jedoch nur wenige geglaubt. Die Diskussion drehte sich eigentlich immer darum, auf welchen Stand die Inflation zurückkehren würde, wenn die großen Ungleichgewichte von Angebot und Nachfrage in Sektoren wie beispielsweise Verbraucherdienstleistungen nachlassen.

Die eigentliche Frage lautet:  

Steuern die USA auf eine dauerhafte Inflationsrate von rund 3 % oder mehr pro Jahr zu oder kehren die „Low-flation“-Kräfte zurück, die in den Jahren vor der Pandemie dominierten?

Ein Großteil der Antwort auf diese Frage liegt in den Wohnimmobilienpreisen. Wohnimmobilien sind eine wichtige Größe (40%) in der US-Kern-VPI und korrelieren mit dem Konjunkturzyklus. Aufgrund dieser hohen Gewichtung können relativ geringe Veränderungen dieser Komponente der US-Inflation bereits den Gesamtausblick für die Inflation verändern.

Die Fed hofft, dass die Inflation sich schließlich auf einem Niveau knapp über 2 % einpendelt, sobald Covid langsam Vergangenheit wird. Eine Voraussetzung dafür könnte eine etwas höhere Inflation auf dem Wohnungsmarkt als vor der Pandemie sein. Ob diese etwas höhere Rate schließlich 3,75 % oder 4,25 % pro Jahr beträgt, macht viel aus.

Störungen der Lieferketten

Kurzfristig werden die Daten eindeutig von Lieferketteneffekten beeinflusst. Der Automobilbau litt stark unter dem Mangel an Halbleitern, der die Preise für Neu- und Gebrauchtwagen in die Höhe trieb. Die Preise für verschiedene andere langlebige Güter (z.B. Möbel-, TV-Geräte u.ä.) sind wegen Covid-bedingten Werksschließungen in Asien und des Drucks durch die Transportkosten gestiegen.

Diese Faktoren dürften noch mindestens mehrere Monate für eine höhere Inflation sorgen. Höhere Impfquoten werden der Schlüssel zur Lösung dieser Produktionsprobleme sein. 

Nachrichten von der EZB

Auf ihrer Ratssitzung am 9. September kündigte die Europäische Zentralbank, wie vom Markt erwartet, eine moderate Verlangsamung ihrer Anleihenkäufe im Rahmen ihres Pandemie-Notfallankaufprogramms (PEPP) an. EZB-Präsidentin Lagarde bekräftigte ihre Ansicht, wonach die Inflationskräfte in der Eurozone ein vorübergehendes Phänomen sind.

Genaueres zur Zukunft des PEPP ist im Dezember zu erwarten. Das Programm könnte nächsten März enden und wird dann vielleicht durch ein erweitertes, flexibleres Anleihekaufprogramm ersetzt.

Da die EZB auf längere Sicht an ihrer lockeren Geldpolitik festhält, erscheinen die Zinsen am kurzen Ende in der Eurozone fest verankert.


Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, basieren auf den verfügbaren Informationen und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen. Die in diesem Podcast zum Ausdruck gebrachten Ansichten dürfen keinesfalls als Anlageberatung betrachtet werden.

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