BNP AM

Der offizielle Blog von BNP Paribas Asset Management

Wöchentliches Investment Update – wachsende Nervosität

Breitet sich nach dem Rückgang der Bewertungen an den Aktienmärkten unter den Anlegern Nervosität aus? Angesichts der aufeinanderfolgenden Rückgänge der internationalen Aktien diese Woche könnte die Antwort darauf durchaus bejaht werden. Nach den Allzeithochs zum Börsenschluss der Indizes Dow Jones und S&P 500 und dem Anstieg um 10 % des MSCI AC World Index seit Jahresbeginn, könnte es sich allerdings um eine „gesunde" Korrektur handeln.

Aber auch wenn die Bewertungen hoch wirken, gibt es keinen Rückgang ohne Auslöser. Wir wollen einen Blick auf die Reaktion der Märkte auf die aktuellsten Konjunkturindikatoren werfen, um den derzeitigen Gedankengang der Anleger zu verstehen.

Das Mysterium rund um den US-Arbeitsmarkt

Die monatliche Veröffentlichung des US-Arbeitsmarktberichts ist ein wichtiges Ereignis für die Märkte – diesen Monat hielt er eine große negative Überraschung bereit: Im April blieb die Schaffung von Arbeitsstellen hinter dem vom Markt erwarteten Wert von einer Million zurück. Nach der nach unten korrigierten Zahl von 770.000 im März wurden nur 266.000 neue Stellen geschaffen.

Für diesen wesentlich geringeren Wert gibt es keine eindeutige Erklärung. Der so genannte „Establishment Survey", auf der ein Teil des Berichts basiert, ist nicht für seine Zuverlässigkeit bekannt. Oder lag es daran, dass die Arbeiter aufgrund der staatlichen Arbeitslosenhilfe (zusätzliche 300 US-Dollar pro Woche) kein Interesse daran hatten, an ihre Arbeitsplätze zurückzukehren? Auch Bedenken, sie könnten sich am Arbeitsplatz mit COVID anstecken und Probleme während der Arbeitszeit eine Betreuung für die Kinder zu finden, könnten verhindert haben, dass geringer verdienende Stellenangebote akzeptierten.

Das US-System der „vorübergehenden Entlassungen“, das im letzten Sommer – als die Menschen lediglich an ihre Arbeitsplätze zurückkehrten, weil die Unternehmen wieder öffneten – zu einer starken Beschleunigung der Stellenschaffung führte, könnte seine Grenzen erreicht haben. Jetzt müssen die Menschen die üblichen Einstellungsverfahren durchlaufen, durch die sich der Rhythmus der Einstellungen häufig verlangsamt.

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen – Menschen, die nach US-Kriterien seit mindestens sechs Monaten nicht mehr beschäftigt sind – hat seit Januar 4 Millionen überschritten. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 betrug der Durchschnitt 1,3 Millionen. Allmählich wird das Ungleichgewicht zwischen dem Angebot an Stellen und der Nachfrage nach Beschäftigung deutlich.

Schlechte Neuigkeiten können auch Gutes bringen (und umgekehrt)

Ermutigende Fortschritte bei den Impfkampagnen, Beweise für die Wirksamkeit der Impfungen und die Aussichten auf eine Wiedereröffnung der Volkswirtschaften sprechen für eine starke Erholung des Wachstums in diesem Sommer. Dennoch bereitet eine mögliche Beschleunigung der Inflation den Anlegern zunehmend Sorgen.

Die jüngste Unsicherheit um die Form des US-Arbeitsmarktes verlieh der anhaltend entgegenkommenden Haltung der Federal Reserve (Fed) Glaubhaftigkeit und signalisierte dem Aktienmarkt, dass die Leitzinsen noch für längere Zeit niedrig bleiben dürften, was den Spielraum für weitere Gewinne bestätigte. Der mögliche Anstieg der Inflation macht die Anleger jedoch weiterhin nervös, und die langfristigen Marktzinsen begannen erneut zu steigen.

Diese Sorgen können durch das Zusammentreffen verschiedener Faktoren erklärt werden: Höhere Rohstoffpreise; ein lähmender Angriff auf eine US-Ölpipeline, die einen Anstieg der Kraftstoffpreise bewirken könnte und eine Beschleunigung der chinesischen Erzeugerpreise auf ihren höchsten Stand seit 3 1/2 Jahren.

In Europa erreichte die Inflation in Deutschland im April 2,1 % im Jahresvergleich. Sie übertraf damit im zweiten Monat das Ziel der EZB und lässt einen Anstieg auf über 3 % in diesem Jahr erwarten.

Das alles führte bei den Anlegern zu Interesse an inflationsgekoppelten Anleihen. Für die Märkte zeigt diese Entwicklung, dass man zunehmend mit einer Beschleunigung des Inflationsrhythmus rechnet, was wiederum dafür sorgt, dass das Thema auf der Liste der Sorgen ganz oben bleibt.

Übermäßige Angst?

Die Behauptungen der Zentralbank haben sich bisher allerdings nicht geändert: Der Aufwärtsdruck auf die Inflation wird als vorübergehend betrachtet, und man geht davon aus, dass er auf Basiseffekten und einer Normalisierung der Preise in den Sektoren beruht, in denen die Aktivität durch die Folgen der Pandemie gelähmt war. Die Prognosen der Europäischen Kommission für das Frühjahr wirken ebenso harmlos: Nach 1,7 % im Jahr 2021 geht man davon aus, dass die Inflation in der Eurozone im Jahr 2022 auf 1,3 % zurückgehen wird, während das Wachstum nahezu unverändert bleiben dürfte (4,3 % in diesem Jahr und 4,4 % im Jahr 2022).

Der in den letzten Tagen verzeichnete Aufwärtsdruck auf die langfristigen Marktzinsen war in der Eurozone stärker als in den USA. Das könnte auf den geldpolitischen Rahmen der Fed zurückzuführen sein, der es ihr erlaubt, eine Inflation zu tolerieren (oder sogar anzustreben), die während einer gewissen Zeit über dem Ziel von 2 % liegt.

Am 11. Mai stieg die Rendite der Bundesanleihe plötzlich auf -0,16 %, ihren höchsten Stand seit Mai 2019. Demgegenüber ist die Rendite der vergleichbaren, zehnjährigen US-T-Note jetzt wieder auf 1,60 % zurückgegangen, nachdem sie Ende März auf fast 1,75 % gestiegen war. Sie liegt immer noch unter ihrem Stand von Anfang 2020.

Der Ausblick bleibt positiv

Unser firmeninterner Markttemperaturindikator für Aktien lag im April im roten Bereich. Das zeigte, dass auf kurze Sicht Vorsicht geboten ist und wies auf ein weniger interessantes Risiko-Rendite-Verhältnis hin. Diese Bedingungen überwogen auch in den letzten Wochen. Dementsprechend ließ das erhöhte Risiko eines Kursrückgangs der Aktien die Nachfrage nach Absicherungsstrategien steigen.

Vor diesem Hintergrund rechnen wir damit, dass die Märkte auf kurze Sicht nervös bleiben. Aufgrund zahlreicher, stützender mittelfristiger Fundamentaldaten betrachten wir Korrekturen allerdings als Gelegenheiten, die Aktienexposure zu erhöhen.


Lesen Sie auch diese Blogposts:


Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und basieren auf den verfügbaren Informationen, womit sie ohne vorherige Ankündigung geändert werden können. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen.

Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück.

Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen.

Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.

In Verbindung stehende Artikel

Weekly insights, straight to your inbox

A round-up of this week's key economic and market trends, and insights on what to expect going forward.

Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein
Please check the boxes below to subscribe