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Wöchentliches Investment Update – Willkommen zurück, Frau Yellen!

Die jüngsten Neuigkeiten zur COVID-19-Pandemie sind besorgniserregend: Weltweit breiten sich ansteckendere Varianten des Virus aus, die Fallzahlen nehmen zu und die Gesundheitssysteme – besonders im Vereinigten Königreich und den USA – stehen kurz vor der Überlastung.

Erholung der Aktien nach kurzem Einbruch

Angesichts dieser trostlosen Situation gingen die internationalen Aktien am 15. Januar um 0,9% zurück. Sie konnten sich denooch seitdem wieder erholen: Der MSCI AC World Index hatte bis zum 19. Januar fast wieder seinen Stand vom 14. Januar (-0,07%) erreicht.

Für diese jüngsten Entwicklungen sind zwei Erklärungen möglich: Einerseits die Beschleunigung der Impfkampagnen, und andererseits die unveränderten Aussichten auf eine zyklische Erholung im Jahr 2021.

In den meisten großen Ländern gehen die Impfungen schleppend voran. Es ist nicht sicher, ob genug Impfstoff verfügbar sein wird. Die Regierungen bestätigten ihre Entschlossenheit, ausreichend Impfstoff für alle zu beschaffen, die ihn benötigen, und es ließen sich allgemein mehr Menschen impfen als erwartet.

Darüber hinaus sind die Neuigkeiten zur Wirksamkeit der Impfung eher optimistisch. In Israel wurde bereits ein Viertel der Bevölkerung geimpft, und erste Ergebnisse zeigen, dass voraussichtlich bald ein guter Schutz gegen das Virus bestehen wird.

Sorgen um das kurzfristige Wachstum

Bei der Konjunkturaktivität werden die ersten Folgen des Wiederaufflackerns der Pandemie im Herbst und der zu deren Bekämpfung auferlegten Einschränkungen allmählich spürbar. In China war das BIP-Wachstum in Q4 beispielsweise stärker als erwartet, aber der Trend wirkte zum Jahresende weniger positiv. Man rechnete im Dezember mit einem stärkeren Wachstum des Einzelhandelsumsatzes, das jedoch von 5% im November auf 4,6% zurückging.

Da sich das chinesische Neujahr nähert und wieder strenge Lockdowns verhängt wurden, um neuen Infektionsclustern entgegenzuwirken, erhöhen sich die kurzfristigen Risiken für die Binnennachfrage. Den wirtschaftspolitischen Entscheidungsträgern in China bleibt jedoch ein beträchtlicher Handlungsspielraum, so dass sie bei Bedarf Maßnahmen ergreifen können.

In den USA ging der Einzelhandelsumsatz im Dezember um 0,7% im Vormonatsvergleich zurück (gegenüber den nach unten korrigierten Daten für November), was die Erwartungen des Marktes enttäuschte. Die persönlichen Konsumausgaben und damit auch das BIP-Wachstum dürften bescheidener ausfallen als in Q4 erwartet.

Diese ungünstige Dynamik zum Jahresende könnte auch beim Wachstum in Q1 anhalten. Das Verbrauchervertrauen war im Dezember rückläufig. Die Haushalte werden höchstwahrscheinlich Unterstützung benötigen, da es 10 Millionen Stellen weniger gibt als vor der Pandemie und die Anträge auf Arbeitslosenhilfe erneut steigen.

USA: Aussichten auf ein neues Fiskalpaket

Bei ihrer Anhörung vor dem Senat setzte die designierte Finanzministerin Janet Yellen auf großzügige Regierungsausgaben als Reaktion auf das Risiko einer langen, schweren Rezession. Ihre Stellungnahme klang wie ein Echo auf ihre einstige Rolle als Vorsitzende der US-Federal Reserve: „Angesichts des Rekordtiefs der Zinsen sind große Schritte das Smarteste, was wir machen können“, betonte sie. Die Märkte schlossen daraus, dass Anleihen mit sehr langen Laufzeiten der Weg geebnet würde.

Der neue US-Präsident Joe Biden erwähnte ein fiskalisches Stimuluspaket in Höhe von 1.900 Mrd. USD. Rechnet man diesen Betrag zu dem Ende Dezember genehmigten COVID-19-Wiederaufbaufonds hinzu, könnten 13% des BIP für die kurzfristige Stützung der Konjunktur (Konsum und Kleinunternehmen) aufgewendet werden. Das ist eine hohe Summe, und selbst wenn der Kongress sie kürzen sollte, würde sie immer noch eine enorme haushaltspolitische Anstrengung bedeuten.

Vor diesem Hintergrund zeigten die US-Rentenmärkte in der Tat eine ebenfalls enorme Reaktion. Der Druck auf die nominalen langfristigen Zinssätze ist beschränkt und die Realzinsen sind sowohl stabil als auch negativ (siehe Diagramm 1). Das wichtigste Anliegen ist natürlich die Geldpolitik, und der Ausblick auf deren zukünftige Ausgestaltung, den der Fed-Vorsitzende Jerome Powell wohl in seiner Pressekonferenz am 27. Januar geben wird, dürfte zweifellos mit größter Aufmerksamkeit zur Kenntnis genommen werden.

Währenddessen in Europa...

Während in den USA die Amtseinführung des 46. US-Präsidenten Joe Biden eine neue Ära einläutet, sind in Europa die politischen Probleme wieder in den Vordergrund gerückt, ohne bisher jedoch wesentliche Auswirkungen auf die Finanzmärkte zu zeigen.

In Deutschland wählte die CDU Armin Laschet zu ihrem Vorsitzenden. Dieser würde – besonders in Bezug auf europäische Fragen – im Anschluss an Angela Merkels Amtszeit Kontinuität gewährleisten. Die konservative bayerische Partei CSU hat bei der Bestimmung des Kandidaten der CDU-CSU für die Wahlen im September noch eine Chance, aber auch ihr Vorsitzender Markus Söder verfolgt dieselbe politische Linie wie Bundeskanzlerin Merkel.

In den Niederlanden dürften die Wahlen im März Umfragen zufolge keine Veränderungen herbeiführen. In Italien gelang es Giuseppe Conti nach dem Rücktritt der Minister von Matteo Renzis Partei Italia Viva, die Vertrauensabstimmung in beiden Kammern zu gewinnen, aber seine Koalition verfügt nicht länger über die absolute Mehrheit. Diese Situation könnte anhalten, da sich durch vorgezogene Wahlen die politische Landschaft in Italien zum Nachteil der traditionellen Parteien ändern könnte. Während dieser wenigen Krisentage erweiterten sich die Renditeabstände zwischen italienischen Staatsanleihen und Bundesanleihen nur relativ geringfügig.

Was wird die Europäische Zentralbank sagen?

Christine Lagarde wird bei der Pressekonferenz nach der EZB-Ratssitzung am 21. Januar wahrscheinlich nicht auf die politische Lage in Italien oder anderen Ländern eingehen. Die EZB-Vorsitzende dürfte die Ergebnisse der Umfrage zum Kreditgeschäft in der Eurozone kommentieren, die eine Straffung der Kreditvergabestandards zeigte.

Im Mittelpunkt werden wahrscheinlich die Interpretation des Rhythmus der Konjunkturerholung durch die EZB und der Inflationsausblick stehen, während die Geldpolitik unverändert bleiben dürfte.

Auf kurze Sicht vorsichtiger

Die für dieses Jahr erwartete, zyklische Erholung könnte sich zwar verzögern, ist aber weiterhin zu erwarten. Unser mittelfristiges Szenario ist für Aktien aufgrund fundamentaler Faktoren und der Unterstützung durch die Konjunkturpolitik positiv.

Wir haben aus taktischen und markttechnischen Gründen sowie aufgrund der Unsicherheit im Zusammenhang mit der Entwicklung der Pandemie unsere Exposure gegenüber dem Marktrisiko reduziert.

Mittelfristig sehen wir das Risiko positiv. Aufgrund unseres flexiblen Anlageallokations-Ansatzes kann jede kurzfristige Marktkonsolidierung als Kaufgelegenheit gewertet werden.


Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, basieren auf den verfügbaren Informationen und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen.

Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück.

Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) wahrscheinlich einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen.

Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.

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