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Wöchentliches Investment Update – Zwei Schritte vorwärts, einen zurück

Einerseits ist in den meisten Volkswirtschaften die Wiedereröffnung nach mehreren Lockdowns im Jahr 2021 noch voll im Gange. Die BIP-Wachstumsprognosen für dieses und das nächste Jahr liegen über den langfristigen Trends. Entsprechend sind die Gewinnwachstumsprognosen für die größeren Märkte mit rund 10 % im Jahr 2022 im Jahresvergleich solide.

Andererseits sehen sich die Märkte einer recht langen Liste an Herausforderungen gegenüber. Die wichtigen Zentralbanken beginnen, ihre Geldpolitik zu straffen. Die US Federal Reserve (Fed) geht besonders aggressiv vor, nachdem ihre Reaktion zu lange auf sich warten ließ. Es besteht nach wie vor das Risiko, dass der Krieg in der Ukraine eskaliert; auf jeden Fall sorgt er weiterhin für Nervosität unter den Anlegern. Das jüngste Wiederaufflackern der Covid-Infektionen in China und die entsprechenden neuen Lockdowns beeinträchtigen das chinesische Wachstum bereits spürbar (siehe Diagramm 1).

Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen sind in der jüngsten Zeit nach Kommentaren der Fed-Gouverneurin Lael Brainard, der Offenmarktausschuss der Federal Reserve würde beginnen, die Bilanz „bereits ab der Mai-Sitzung schnell“ zu reduzieren, stark gestiegen. Dieser Kommentar lenkte die Aufmerksamkeit der Anleger wieder auf die Maßnahmen der Fed – insbesondere die Auswirkungen der quantitativen Straffung auf die Realrenditen und die Bewertungen von (Wachstums)aktien. Es ist kein Zufall, dass der Nasdaq 100 Index an diesem Tag fast doppelt so stark zurückging wie der S&P 500.

Die Märkte reagierten ähnlich wie im Januar dieses Jahres, als die stark steigenden Erwartungen an die zukünftigen Leitzinsen einen vergleichbar starken Rückgang der US-Aktien auslösten. Allerdings fällt auf, dass sich der Fokus nach erfolgter Neubewertung wieder auf das Gewinnwachstum verlagerte. Als die Ergebnisse der Gewinnsaison Q4 2021 bekannt wurden, erholten sich die Aktien (siehe Diagramm 2).

Wahrscheinlich wären die Aktienmärkte weiter gestiegen, wenn es nicht zum Krieg in der Ukraine gekommen wäre. Mitte März folgte ein typischer, von Risikoaversion gekennzeichneter Zeitraum, in dem die Realrenditen und Aktienkurse aufgrund der Sorgen um das Wachstum zurückgingen. Die pessimistischsten Prognosen bezüglich des Krieges bestätigten sich jedoch nicht, und vor allem strömten weiterhin Öl und Gas aus Russland nach Europa, so dass eine Erleichterungsrally einsetzte.

Die Realrenditen liegen jetzt wieder auf ihrem Stand von vor Beginn des Krieges, weshalb wir davon ausgehen, dass die ‚Erleichterungsrally‘ vorüber ist. Die in zwei Jahren erwartete Fed Funds Rate liegt unterdessen um etwa 80 Basispunkte höher. Die Realrenditen spiegeln diese Änderung der erwarteten Leitzinsen umfassender wider, so dass sich die Märkte mehrmals hintereinander wegen des Gewinnausblicks verbessern (zwei Schritte vorwärts), dann aber aufgrund steigender Diskontsätze wieder zurückgehen könnten (einen Schritt zurück).

Chinesische Aktien

Wir haben trotz der Herausforderungen, die die Pandemie für die chinesische Volkswirtschaft mit sich bringt, unsere Allokation in chinesischen Aktien erhöht. Die Behörden sind sich der wirtschaftlichen Folgen ihrer Politik durchaus bewusst, haben sich aber verpflichtet, zusätzliche fiskalische und geldpolitische Unterstützung bereitzustellen, um den Rückgang des Wachstums auszugleichen. Wir dürfen nicht vergessen, dass sich die chinesische Regierung kürzlich zu einer BIP-Wachstumsrate von 5,5 % in diesem Jahr verpflichtet hat, und im Allgemeinen erreicht die chinesische Regierung, was sie sich vorgenommen hat.

Die Aktienmärkte sind dagegen skeptischer. Seit Anfang 2021 blieb die Performance der chinesischen Aktien um mehr als 40 % hinter den Aktien der Industrieländer zurück. China ist der Hauptverantwortliche für die allgemeine Underperformance der Schwellenländeraktien allgemein. Diese niedrigeren Renditen sind allerdings nicht nur auf den Kampf gegen die Pandemie zurückzuführen, sondern auch auf bedeutende Änderungen von Vorschriften, besonders für Unternehmen des Technologiesektors.
Die starke Underperformance wird unserer Meinung nach jetzt zur Gelegenheit. Im Vergleich zum MSCI World Index für Industrieländer liegt das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis des MSCI China jetzt um eine Standardabweichung unter dem Durchschnitt der seit 2008 registrierten Werte. Wichtig ist aber, dass dieser Abschlag überwiegend dem allgemeinen Technologiesektor zuzuschreiben ist (einschließlich Internet-Einzelhandel, Filme & Unterhaltung und interaktive Medien).

Der Index allgemein war in der Vergangenheit (z. B. zwischen 2013 und 2015) bereits billiger, aber damals wurde der Abschlag vor allem durch den Finanzsektor hervorgerufen; Technologiewerte waren teuer. Daher bieten sich beim Kauf des Index mit dem Ziel, die niedrigeren Bewertungen zu nutzen, heute ganz andere Aussichten als beim letzten Mal.

Disclaimer

Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, basieren auf den verfügbaren Informationen und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen. Die in diesem Podcast zum Ausdruck gebrachten Ansichten dürfen keinesfalls als Anlageberatung betrachtet werden.

Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.

Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) wahrscheinlich einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen.

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