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Neue Impulse für die Dekarbonisierung in der EU

Die EU verstärkt ihre Bemühungen zur Bekämpfung des Klimawandels. Neue, strengere Zielvorgaben zur Reduzierung der Luftverschmutzung dürften es für Unternehmen ökonomisch interessant machen, auf umweltfreundlichere Geschäftspraktiken umzustellen.

Diese Schlussfolgerung zieht unser Chefstratege für Nachhaltigkeit Mark Lewis aus den Plänen der Europäischen Kommission, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 55 % zu senken. Es handelt sich um ein Zwischenziel im Rahmen des umfassenden European-Green-Deal-Programms, mit dem bis 2050 die Klimaneutralität erreicht werden soll.

Ein dringend notwendiger Schritt

Lewis argumentiert, es sei nicht nur realistisch, dieses Ziel zu erreichen, sondern auch notwendig und dringend angesichts ständig neuer klimabedingter Naturkatastrophen. So sollten wir etwa die Waldbrände in Australien und Kalifornien, die Hurrikane und auch die ungewöhnlichen Hitzewellen und Tundrabrände in Sibirien als Warnzeichen auffassen.

Das Ziel ist eindeutig erreichbar, nicht zuletzt weil die Dekarbonisierung des europäischen Energiesektors bereits deutliche Fortschritte gemacht hat und die Emissionen im Zuge dessen gesunken sind.

Darüber hinaus hat auch der Rückgang der sozialen und wirtschaftlichen Aktivitäten infolge der coronabedingten Einschränkungen zu einem Absinken der Emissionen geführt. Nach Aufhebung der Corona-Maßnahmen stiegen die Schadstoffemissionen zwar erneut an, aber offensichtlich hat die Pandemie zu strukturellen Veränderungen geführt: Immer mehr Menschen entscheiden sich dafür, weiterhin zu Hause zu arbeiten, und es ist denkbar, dass der Rückgang bei Geschäftsreisen und privaten Fernreisen auch in Zukunft anhält.

Die Kosten sinken

Nun zu den Kosten der Dekarbonisierung. Technologien rund um erneuerbare Energien werden immer billiger. So haben sich die Batterien, die zum Speichern von Solar- und Windenergie unentbehrlich sind, verbessert, was deren Effizienz gesteigert und damit die Kosten gesenkt hat.

Grüner Wasserstoff dürfte unter den alternativen Energien eine immer wichtigere Rolle spielen. Denn die Dekarbonisierung ist nicht allein auf Basis erneuerbarer Energiequellen zu realisieren.

Die EU hat im Rahmen ihres Green Deal Grünen Wasserstoff zur Priorität erklärt. Sie schätzt, dass die Investitionen in erneuerbaren Wasserstoff in Europa bis 2050 insgesamt 180 bis 470 Mrd. EUR erreichen könnten. Des Weiteren kann das Vorgehen, das in den letzten Jahrzehnten zum Ausbau erneuerbarer Energiequellen diente, auch bei Grünem Wasserstoff angewendet werden.

CO2-Bepreisung als Anreiz

Die strengeren Zielvorgaben der EU bei der Emissionsreduktion bedingen Veränderungen am Kohlenstoffmarkt, auch bekannt als EU-Emissionshandel (ETS). Dieser Cap-and-Trade-Markt funktioniert auf Basis von Zertifikaten, von denen jedes zum Ausstoß von einer Tonne CO2 pro Jahr berechtigt. Emittenten bestimmter Sektoren und Branchen verfügen jährlich über eine begrenzte Menge („Cap“) von Zertifikaten, mit denen gehandelt („Trade“) werden kann.

Die begrenzte Anzahl von Zertifikaten wird zudem von Jahr zu Jahr weiter reduziert, um die Unternehmen zur Umstellung auf umweltfreundlichere Technologien zu motivieren. Den Preis der Emissionsrechte bestimmen dabei Angebot und Nachfrage.

Die neuen Zielvorgaben dürften zu einer deutlichen Deckelung bei den Zertifikaten führen. Dies dürfte den bereits nahe am Rekordhoch liegenden Kohlenstoffpreis weiter in die Höhe treiben. Dadurch steigen die Kosten für Umweltverschmutzung und damit auch der Druck auf Unternehmen, weniger CO2-intensive Energiequellen zu nutzen.

Für weiteren Aufwärtsdruck beim CO2-Preis sorgen Unternehmen, die Emissionsrechte nicht verkaufen, obwohl sie sie in diesem Jahr wahrscheinlich nicht benötigen, um für die Zukunft gewappnet zu sein, wenn weniger Zertifikate auf dem Markt sind.

Insgesamt wird die Teuerung beim Kohlenstoff einen Anreiz zur Dekarbonisierung bieten.

Da der Kohlenstoffpreis aktuell bereits nahe an einem Level liegt, bei dem sich das Hin- und Herschalten zwischen Kohle- und saubereren Gaskraftwerken für Energieversorgungsunternehmen lohnt [1], könnte dies als Signal gewertet werden, die CO2-Bepreisung in dieser Form auf andere Branchen und Regionen auszuweiten.

Den Kreis erweitern

Zwar ist die Nachfrage nach Emissionsrechten im zweiten Quartal infolge des Lockdowns und des dadurch bedingten Rückgangs gesunken. Es ist allerdings mit einem erneuten Anstieg zu rechnen, wenn der EU-Emissionshandel auf weitere Sektoren wie Straßenverkehr, Schifffahrt und Immobilien ausgeweitet wird.

Solch ein breiter aufgestellter Ansatz könnte der EU eine drastische Reduktion der Emissionen bescheren und außerdem dazu führen, dass die Rolle des Emissionshandels als Hauptfaktor in diesem Bereich gestärkt würde.

Darüber hinaus könnte das Konzept auch außerhalb Europas zur Anwendung kommen. Wir sind davon überzeugt, dass die Welt als Ganzes sehr ernsthaft über Möglichkeiten nachdenken muss, Emissionen zu begrenzen. Ein gut funktionierender Kohlenstoffmarkt kann Einsparungen durch mehr Effizienz bewirken und den Emittenten einen wirtschaftlichen Anreiz bieten, umweltfreundlicher zu wirtschaften und zu produzieren – für unsere gemeinsame Zukunft.

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[1] Das Hin- und Herschalten zur Verringerung der CO2-Emissionen besteht darin, außerhalb der Spitzenlastzeiten von Kohlekraftwerken auf Gas-und-Dampf-Kombikraftwerke umzuschalten. So laufen Kohlekraftwerke über kürzere Zeiträume und Stromproduzenten können ihre CO2-Emissionen reduzieren. Quelle: Understanding fuel switching under the EU ETS.

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