BNP AM

Der offizielle Blog von BNP Paribas Asset Management

Der Ölpreis und der unaufhaltsame Einfluss des Überangebots

Bitte beachten Sie, dass dieser Text technische Ausdrücke enthalten kann. Er richtet sich daher nur an Leser mit professioneller Investmenterfahrung.

Ölpreise

Bitte beachten Sie, dass dieser Text technische Ausdrücke enthalten kann. Er richtet sich daher nur an Leser mit professioneller Investmenterfahrung.

In der Woche vom 19. Juni 2017 fielen die Rohölpreise um fast 4% (Abbildung 1, unten). Darunter litten an Öl gebundene Assets, wie Emerging-Market-Währungen und, mit einer Zeitverzögerung, auch amerikanische High-Yield-Anleihen.

Abbildung 1: Die Rohölpreise fallen erneut - Brent in USD, 26. April 2014 bis 26. Juni 2017

ölpreiseQuelle: Bloomberg, BNP Paribas Asset Management, Stand 26.06.2017

Insgesamt hielten sich die Auswirkungen auf risikoreiche Anlagen jedoch in Grenzen. Aus unserer Sicht sind die Ölpreise gefallen, weil man ein hohes Angebot fürchtet – und nicht wegen einer zu schwachen Nachfrage.

Bis Mitte Mai unterstützte die Erwartung auf eine Verlängerung der OPEC-Förderkürzungen die Preise. Aber nachdem das Kartell am 25. Mai 2017 eine Verlängerung der Förderkürzungen um weitere neun Monate bekanntgegeben hatte, brach der Ölpreis massiv ein. Die Hürde für eine weitere Angebotskürzung seitens der OPEC ist also recht hoch, zumindest kurzfristig.

Unterdessen ist die amerikanische Ölförderung Mitte Juni auf ein neues Jahreshoch gestiegen, und auch die Lagerbestände sind noch immer sehr hoch. Seit Jahresbeginn hat die US-Ölförderung um 7% zugelegt. Der Preis für West Texas Intermediate (WTI) ist um etwa 20% gefallen – von etwa 55 auf 43 US-Dollar je Barrel (Abbildung 2, unten).

Ein wichtiger Punkt sind die niedrigen Kosten der Schieferölförderung – mit der Folge, dass selbst bei Preisen unter 50 US-Dollar je Barrel reichlich Öl gefördert wird. Laut Barclays liegen bei 80% der geförderten Menge die Kosten unter 60 US-Dollar je Barrel. Bei einem Ölpreis von 43 US-Dollar wären jedoch nur 35% der aktiven Ölfelder kostendeckend. Die Angebotsschwemme scheint sich also in den aktuellen Preisen weitgehend widerzuspiegeln.

Abbildung 2: Höchste US-Ölfördermenge seit Jahresbeginn, WTI noch billiger

ÖlpreiseQuelle: Bloomberg und BNP Paribas Asset Management, Stand 26.06.2017

Zwei weitere Entwicklungen in der Woche vom 26. Juni 2017 ließen das Angebot ebenfalls steigen:

(i) Libyen förderte in der Woche vom 26. Juni 2017 so viel Öl wie seit 2013 nicht mehr.

(ii) Der neue saudi-arabische Kronprinz Mohammed Bin Salam könnte dem Iran feindlicher gegenüberstehen, sodass die OPEC Förderkürzungen in Zukunft wahrscheinlicher schwerer durchsetzen kann.

Andererseits bleibt der Nachfrageausblick stabil. Die weltweit starke Konjunktur sorgt für eine höhere Nachfrage sowohl in Industrie- als auch in Schwellenländern.

Unser Fazit: Das Angebot bleibt hoch, aber die Preise sind stark korrigiert worden. Auf kurze Sicht ist weder mit weiteren Investitionen in die Schieferölförderung, noch mit Effizienzgewinnen zu rechnen. Weil aber die Nachfrageaussichten stabil bleiben, ist in der zweiten Jahreshälfte vielleicht sogar ein geringes Angebotsdefizit denkbar.

Aus unserer Sicht dürften die Ölpreise daher in den nächsten Monaten etwas steigen. Es ist jedoch möglich, dass dieser Vorteil durch ein steigendes Schieferöl-Angebot begrenzt wird.


Verfasst am 29.06.2017

In Verbindung stehende Artikel

Wöchentliche Updates, direkt in Ihr Postfach

Eine Zusammenfassung der wichtigsten Wirtschafts- und Markttrends dieser Woche sowie Einblicke in die Zukunft.

Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein
Bitte aktivieren Sie die Kontrollkästchen unten, um sich anzumelden