Investmentausblick 2019: Emerging Markets – Aktien bei Tiefstständen kaufen?

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Aktien der Schwellenländer (EM) fielen 2018 in einem Bärenmarkt und jetzt stellt sich die Frage, ob sie 2019 weiterhin zurück bleiben oder ob die Anlageklasse sich erholt und ihre Aufwertung fortsetzen kann.

Abbildung 1: Wertentwicklung des MSCI World Index und des MSCI EM Index (Januar 2008 = 100, Wochendaten)

Quellen: Datastream, BNPP AM, Stand 2. November 2018.

Ergebnisse der Vergangenheit sind kein Hinweis für künftige Erträge und der Wert einer Investition in ein Finanzinstrument kann sowohl fallen als auch steigen. Investoren erlangen möglicherweise nicht ihren ursprünglich investierten Betrag zurück.

RATs: Wie die PIIGSs, aber ohne den Schutz einer gemeinsamen Währung

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir uns zunächst ein Bild von den Hauptgründen für die jüngste Schwäche machen. Eine mögliche Erklärung ist, dass die „RATs“ (Russland, Argentinien und die Türkei) den „PIIGS“ (Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien) während der europäischen Finanzkrise gleichen oder sie vielleicht noch schlechter dastehen. Anders als die PIIGSs im Euroraum können sich die RATs aber nicht hinter einer gemeinsamen Währung verstecken. Besonders deutlich zeigte sich dies in der Türkei und Argentinien, deren Währungen in diesem Jahr, da die Investoren massiv Mittel abzogen.

Allerdings hat der Internationale Währungsfonds seine Kreditlinie angehoben. Außerdem hat die Notenbank strebt jetzt bis Juni 2019 ein Geldmengenwachstum von null an, um die Währung zu verteidigen. Die zusätzlichen IWF-Mittel sind allerdings an strenge Anforderungen gebunden. Daher ist Präsident Macri noch nicht über den Berg.

Im Gegensatz dazu hat der türkische Präsident Recep Tayeb Erdogan erklärt, dass „die Zinsen Mutter und Vater allen Übels sind.“ Mit der Ausweitung seiner Befugnisse kommen – mindestens – Zweifel an der Unabhängigkeit der Notenbank auf. Auch wenn Erdogan keine höheren Zinsen mag, hat die galoppierende Inflation die Notenbank zu einer drastischen Leitzinserhöhung auf 24% gezwungen. An den Märkten scheint man dies für den notwendigen ersten Schritt zur Inflationsbekämpfung und Unterstützung der Lira zu halten.

Doch sollte man nicht vergessen, dass die Türkei lediglich 0,5% Anteil am MSCI EM Index hat und sich die Verflechtungen mit der Weltwirtschaft in engen Grenzen halten. Unabhängig davon, wie es ausgeht, sind die Entwicklungen in der Türkei für Emerging-Market-Anlagen insgesamt recht unbedeutend.

Die Lage in Russland ist eine sehr andere, aber immer noch besorgniserregend. Wir glauben, dass das größere Risiko eine schier endlose Welle von Sanktionen ist, die vom Westen verhängt wurden. Die Anleger sorgen sich um Vorschläge für Verbote für den Handel mit neuen russischen Staatsanleihen und Beschränkungen für die Geschäfte staatlicher Banken, die rund zwei Drittel des Finanzsektors ausmachen.

Abbildung 2: Länderstruktur des MSCI-EM

Quellen: MSCI, FactSet, BNP Paribas Asset Management, Stand 31. Oktober 2018.

Ergebnisse der Vergangenheit sind kein Hinweis für künftige Erträge und der Wert einer Investition in ein Finanzinstrument kann sowohl fallen als auch steigen. Investoren erlangen möglicherweise nicht ihren ursprünglich investierten Betrag zurück.

Chinas Schwäche und der starke US-Dollar irritieren Emerging-Market-Investoren

Die allgemeine Emerging-Market-Schwäche im Jahr 2018 dürfte sich eher mit der wirtschaftliche Schwäche Chinas durch den eskalierenden Handelskonflikt erklären lassen. Unterdessen hat die Renminbi-Abwertung dafür gesorgt, dass sich die Auswirkungen in Grenzen halten. Präsident Xi Jinping könnte drastische Maßnahmen so lange hinauszögern, bis klar ist, was die USA letztlich wollen. Als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist China mit Abstand das größte Land im MSCI EM Index. Es ist daher nur zu plausibel, dass China maßgeblich für die Mindererträge von Emerging-Market-Aktien verantwortlich ist.

Schließlich dürfte auch der starke US-Dollar Emerging-Market-Investoren verunsichert haben. Das im Vergleich zu anderen Ländern höhere Wirtschaftswachstum in den USA hat aber viel mit den Einmaleffekten durch die Steuersenkungen zu tun. Das wachsende US-Haushaltsdefizit dürfte das weitere Aufwärtspotenzial des US-Dollars begrenzen, insbesondere wenn das Wirtschaftswachstum seinen Höhepunkt überschreitet.

Risikobelohnung zunehmend attraktiv

Anfang 2019 gibt es eine Reihe von Risiken. Insgesamt scheinen die Schwellenländer aber heute krisenfester zu sein als vor einigen Jahren. Die Bewertungen von Emerging-Market-Aktien liegen heute deutlich unter denen von Industrieländeraktien und unter ihrem eigenen Langfristdurchschnitt.

Möglich wurde dies trotz der veränderten Zusammensetzung des Emerging-Market-Index. In der Benchmark sind heute deutlich mehr wachstumsstarke Konsumgüter- und IT-Titel enthalten. Wir glauben, dass allein dies eine höhere Bewertung rechtfertigt.

Wir glauben, dass Emerging-Market-Aktien auf Dauer noch immer interessante Wachstumsperspektiven bieten und sie in den internationalen Indizes unterrepräsentiert sind – zumindest dann, wenn man die Marktkapitalisierung zum Anteil der Emerging Markets an der Weltbevölkerung und dem Welt-BIP setzt. Die Chancen dieser Assetklasse werden bislang nur unzureichend genutzt, denn viele internationale Aktienfonds sind hier noch immer untergewichtet. Viel spricht dafür, dass diversifizierte Investoren auf Emerging-Market-Aktien setzen sollten.

Die jüngste Schwäche ist aus unserer Sicht eine Chance für alle, die vom langfristigen Wachstumspotenzial der Emerging Markets profitieren wollen.


Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Investmentausblick 2019. Klicken Sie hier> um die vollständige Version zu lesen oder klicken Sie unten für die animierte Version:

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Vincent Nichols

CFA, Investment Specialist, Global Emerging Market Equities

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